Harry und Sally ist einer der erfolgreichsten Liebesfilme aller Zeiten. Allein in den USA spielte der Film über 92.8 Millionen US-Dollar ein. Er hat alle guten Zutaten für einen schönen Liebesfilm: Zwei sympathische Hauptdarsteller, die zufällig aufeinander treffen, aber von großer Sympathie oder gar Liebe ist anfangs nicht die Spur. Erst im Laufe des Films, durch viele Hindernisse, über elf Jahre hinweg, werden sie Freunde und ganz zum Schluss ein Liebespaar. Ein langsamer Tango!

Was macht das Geheimnis dieses Films aus? Was zeichnet Harry und Sally aus im Unterschied zu all den anderen Liebesfilmen?Es ist das Authentische, das Ungewöhnliche, die umwerfenden Dialoge, die noch Jahrzehnte danach funktionieren. Passgenau!

Der Regisseur Rob Reiner und die Drehbuchautorin Nora Ephron haben vor dem Dreh viel gemeinsam an der Entwicklung des Drehbuchs gearbeitet: Von beiden sind eigene Anteile in den Dialogen enthalten: Rob Reiner war selbst zehn Jahre verheiratet und dann wieder unfreiwillig Single. Er musste sich erneut auf den Dating-Markt bewähren. Und im Gespräch zum Script zu Harry und Sally mit Nora Ephron und seinem Producer Andrew Scheinman ging es dann genau darum: Sich gegenseitig die eigenen Erfahrungen mit Männern und Frauen zu erzählen. Ehrlich. Ohne Rücksicht.  Es ging darum, Männer und Frauen besser zu verstehen.

Wie denkt der jeweils andere? Was traut er sich nicht zu sagen gegenüber der Partnerin – aber gegenüber einem besten Freund schon? Und wenn dieser beste Freund eine Frau ist – geht das? Können Männer und Frauen Freunde sein? Damals, zum Entstehungszeitpunkt des Films 1989, war es neu und ungewöhnlich, solche Sachen anzusprechen UND zu zeigen.

Ja, Männer wollen Sex mit Frauen, aber wie lange müssen sie sie nach dem Sex im Arm halten? Sind 30 Sekunden ausreichend? Männerwahrheiten, die Nora Ephrons vielleicht nicht hören wollte. Und täuschen Frauen wirklich Orgasmen vor? Ja, vielleicht mit anderen Männern, aber doch sicherlich nicht die eigene Partnerin – meinte jedenfalls Rob Reiner! Und wurde eines besseren belehrt, als er begann Frauen in seinem Umfeld zu befragen.

Meg Ryan als Sally entlarvt diesen Mythos später grandios in einer der weltberühmtesten Filmszenen: Inmitten eines übervollen Restaurants zeigt sie Harry, gespielt von Billy Crystal, wie täuschend echt so ein gespielter Orgasmus sein kann. Für alle Anwesenden!

Viele der Dialoge aus Harry und Sally waren also mit eigenen Anekdoten und Geschichten gespickt: Die Sally-Aussagen stammten von Nora Ephrons und viele Sprüche von Harry deckten sich mit den Erfahrungen des Regisseurs Rob Reiner. Sie haben sich beim Entwickeln des Drehbuchs erst gegenseitig kennengelernt, als Mann und Frau.

Und genau darüber einen Film gemacht. Einen wunderbaren Film.

P.S. Mein liebster Dialog:

Harry: „Ich habe über vieles nachgedacht und die Sache ist die: Ich liebe dich!.“

Sally:  „Was soll das heißen?“

Harry: „Ich liebe dich.“

Sally: Wie soll ich deiner Meinung nach darauf reagieren?“

Harry: „Wie wär‘s mit ‚Ich liebe dich auch‘?“

Sally: „Wie wär‘s mit ‚Ich gehe jetzt‘?“