Der dichte Fürst ist in den Nächten entstanden, in denen ich hinter dem Tresen in Hamburger Bars gestanden habe und Menschen beobachten konnte. Menschen, die sich zum ersten Mal begegnen, die sich streiten und verlieben, über die Liebe diskutieren, die sich in Gesprächen selbst vor dem anderen entwerfen und – nur mit Geste, nur mit Sprache – versuchen, sich einem Platz im Leben des Gegenübers zu sichern.

Vielleicht für eine Nacht, eine Woche, ein Jahr oder ein Leben. Für mich sind diese Gespräche Kunstmomente. Und um diese Momente geht es auch in meinem Gedichtband »Liebe in Zeiten von #Yolo«.

In der Liebe treffen heutzutage entgegengesetzte Ideale aufeinander. Zum einen das Liebesideal aus einer Zeit der Romantik, in der das Sentimentale, das unbedingte Fühlen für eine Person ausgestellt wird. Das ist literaturwissenschaftlich jetzt nicht ganz korrekt, aber darum soll es hier nicht gehen. Für mich ist das ein „Wir-Gefühl“, ein „Wir-Zeitalter“. Zum anderen gibt es heute die ausgeprägte Sehnsucht nach der absoluten Individualität, nach Selbstverwirklichung, auch um für das Gegenüber attraktiv zu sein, weil man unabhängig ist. Man ergreift die Gelegenheiten beim Schopf, ja man lebt, carpe diem, seize the day, memento mori, als könnte jeder Tag der letzte sein. Der Leitspruch: You only live once – YOLO eben. Das „Ich-Gefühl“, das  „Ich-Zeitalter“.

Aus diesen Welten kommen auch meine literarischen Vorbilder. Da sind natürlich auf der einen Seite die großen: Goethe, der „Dichterfürst“ auf den ich mich ja auch in meinem Namen beziehe sowie Rilke, Eichendorff und AutorInnen, die sich mit der Liebe auseinandersetzen und unsere Vorstellung bis heute prägen: Mascha Kaleko etwa oder Ingeborg Bachmann.  An der Gegenwart prägt mich die Pop-Kultur im Ganzen: Von Bands wie Tocotronic bis Filmen mit Julia Roberts, Fotos auf Instagram,  bildende Kunst, Werbung und eben besagte Gespräche am Tresen.

Die Gedichte, die ich schreibe, sind oft Momentaufnahmen, die innerhalb von Minuten entstehen. Pop-Lyrik. Meine Notizen fertige ich auf Untersetzern, dem Unterarm, Bierzetteln oder dem Smartphone an. Ganz schön unromantisch? Man braucht eben nicht immer Kerzenlicht. Um zu lieben, muss man sich von manchen Klischees befreien. Ich helfe dabei sie zu erkennen.

Eine Leseprobe vorab:

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