Die Autorin Kate Lord Brown hat sich für uns Gedanken über das Schreiben gemacht. Und verrät hier ihre Tipps.

Kate Lord Brown»Wie oft haben Sie sich bei der Lektüre eines Buches schon gedacht, Sie könnten das besser? Vielleicht wollten Sie auch schon immer einmal einen Roman schreiben, hatten aber „nie die Zeit dazu“?

81% aller Menschen würden gerne ein Buch schreiben. Nur 10% tun es wirklich – das ist an sich schon eine Leistung. Falls Sie aber vorhaben, die nächste J. K. Rowling oder der nächste John Grisham zu werden: 98% der Manuskripte, die an Verlage und Agenten geschickt werden, werden abgelehnt. Wenn Sie davon träumen, Ihren Roman gedruckt zu sehen: Es gibt einfache Schritte, mit denen Sie die besten Chancen darauf haben, dass Ihr Text zu den 2% gehört, die letztlich veröffentlicht werden.


IDEEN

Inspirationen finden Sie überall. Die Idee zu einem Roman kann von einem Zeitungsartikel kommen, einem Gespräch, das Sie zufällig in einem Café mit angehört haben, oder einem uralten Familiengeheimnis. Sie suchen nach einer Idee, einem Konflikt, der nachklingt – etwas, worüber Sie schreiben müssen. Wenn Sie per Brainstorming auf eine Idee kommen wollen, versuchen Sie es mit Mind-Maps (z.B. auf der englischen Website http://www.tonybuzan.com). Sobald Sie ein paar Ideen grob skizziert haben, sollten Sie Ihre Geschichte zusammenfassen.


PERFEKTIONIEREN SIE IHRE ‚AUFZUGS-PRÄSENTATION’

Fassen Sie Ihre Idee in weniger als fünfzehn Worten zusammen, bevor Sie anfangen zu schreiben. Stellen Sie sich vor, Sie hätten den Verleger Ihrer Träume in einem Aufzug in eine Ecke gedrängt und nur wenige Sekunden, um ihm Ihre Idee zu verkaufen. Für „Das Haus der Tänzerin“ könnte das zum Beispiel lauten: „Parfümeurin erbt Haus in Spanien und stößt auf schockierende Familiengeheimnisse über den Bürgerkrieg.“


DIE STORY

Machen Sie aus diesem Satz einen Absatz, dann eine Seite. Schmücken Sie die Details aus, die wichtigsten Charaktere, den Konflikt. In diesem frühen Stadium kann Ihr Roman noch überall hinführen – Sie wollen eine spannende Handlung, starke Charaktere und ein deutliches Gefühl für den Ort und die Zeit, in denen das Buch spielt. Sehen wir uns das nacheinander an:


DIE HANDLUNG

… ist die Organisation einer Geschichte. Die Handlung spielt mit Kausalzusammenhängen und Geheimnissen, sie braucht Spannung auf jeder Seite. Es ist nie verkehrt, den Roman inmitten der Geschehnisse anfangen zu lassen, wenn Ihre Hauptfigur (der Protagonist) gerade dabei ist, etwas zu tun. Gestalten Sie das Anfangskapitel so packend, dass der Leser das Buch unbedingt kaufen will. Sie können immer noch in der Zeit zurückgehen und die Vorgeschichte später nachliefern.

Ein Roman bedeutet von Anfang bis Ende Krise – Sie fangen den Protagonisten in einem Schlüsselmoment seines Lebens ein. Aber Sie müssen das Tempo und die Spannungsführung der Geschichte variieren, um den Leser nicht zu langweilen. Der Erzählbogen sollte gestaltet sein wie eine Achterbahnfahrt.

Wenn Sie Ihren ersten Roman schreiben, kann man mit dieser einfachen Formel für die Konstruktion der „Akte“ der Geschichte nicht falsch liegen:

  • Erster Akt: enthält 25% der Action, endet mit einer Überraschung/einem Schock
  • Zweiter Akt: enthält 50% der Action – in der Mitte des Buchs gibt es eine weitere Überraschung und eine zusätzliche Veränderung oder Konfrontation, die die Spannung am Ende dieses Akts bei 75 % aufbaut.
  • Dritter Akt: enthält die letzten 25% der Geschichte – die letzten Herausforderungen, die Konfrontation und die Auflösung.

CHARAKTERE

Sobald Sie eine Vorstellung von Ihrer Geschichte und der Handlungsführung haben, sollten Sie Ihre Figuren baldmöglichst besser kennenlernen als Ihre Familie und Ihre Freunde. Bevor ich anfange, schreibe ich ein Profil für jede Gestalt. Ihr Protagonist ist die Figur, die durch die Geschichte die meisten Veränderungen erfährt. Denken Sie sich einen Antagonisten aus (den Erzfeind des Protagonisten), der ihm ebenbürtig, aber sein Gegner ist.

Kate Lord Brown: "Das Sonntagsmädchen"
Kate Lord Brown: „Das Sonntagsmädchen“

Eine gute Geschichte braucht einen Protagonisten, der emotionale Tiefe besitzt und stimmig reagiert. Anders als Menschen im echten Leben, die unendlich komplex sind, haben Romanfiguren nur ein paar wenige treibende Eigenschaften und Fehler. Geben Sie ihrem Protagonisten ein klares Ziel. Ziele feuern die Action an: Action = Drama = Emotion. Damit Ihr Leser sich auf den Protagonisten einlässt, muss er neben ihm in der Achterbahn sitzen – und seine Ziele verstehen.


ORT UND ZEIT DER HANDLUNG

Ihre Wahrnehmung macht eine Geschichte einzigartig. Lassen Sie die gleiche Szenerie von zwei Schriftstellern beschreiben, und die beiden werden unterschiedliche Dinge festhalten. Wenn Sie Orte und Zeiten recherchieren müssen, sollen Sie sich immer die Frage stellen: Was würden Ihnen Ihre Sinne verraten? Was sehen, hören, riechen, schmecken, tasten Sie? Lernen Sie Ihre imaginäre Welt so gut kennen wie die Welt, in der Sie jetzt leben. Als Anfänger sind Sie vielleicht eher auf der sicheren Seite, wenn Sie darüber schreiben, „was Sie kennen“, aber mit der Zeit würde ich Ihnen raten, über das zu schreiben, „was Sie gerne kennen würden“. Eine der großen Freuden besteht darin, immer weiter zu lernen, immer weiter zu erkunden, immer weiter zu reisen.Ein kommerzieller Roman hat mindestens 80.000 Wörter. Wenn Sie also drei Monate lang tausend Wörter am Tag schreiben, haben Sie eine erste Fassung. Das ist noch nicht der Zeitpunkt, um das Manuskript an einen Verlag oder einen Agenten zu schicken. Warten Sie ein paar Wochen, bis es sich gesetzt hat, und machen Sie sich mit etwas Abstand erneut daran. Jemand hat einmal gesagt: „Schreiben heißt immer wieder neu schreiben“. An diesem Punkt nehmen Sie sich das grobe Manuskript vor und kürzen alles heraus, was der Geschichte nichts bringt. Lektorieren Sie sich selbst – überprüfen Sie noch einmal die Fakten, die Rechtschreibung, die Grammatik. Seien Sie Ihr eigener Schauspieler – lesen Sie sich den Text laut vor, um zu sehen, ob die Dialoge natürlich klingen.

Kate Lord Brown: "Das Haus der Tänzerin"
Kate Lord Brown: „Das Haus der Tänzerin“

Schreiben Sie, was Sie lieben, und lieben Sie, was Sie schreiben, das ist der beste Rat, den ich jemals bekommen habe. Entdecken Sie die Geschichte, die Sie schreiben müssen. Dann bearbeiten Sie den Text, bis er nicht mehr besser werden kann. Dieser letzte Schritt gibt Ihnen die beste Chance, zu den 2% zu gehören, die vom Verlag angenommen werden. Außerdem ist es wichtig, dass Sie das Manuskript einem Agenten oder Verlag schicken, der Bücher wie das Ihre macht. Bieten Sie einen Krimi nicht einem Verlag an, der Liebesromane herausbringt, oder Science-Fiction einem Agenten, der sich auf Sachbücher spezialisiert hat. Schauen Sie am Ende eines Romans, der Ihnen gut gefallen hat, in der Danksagung des Autors nach, bei welcher Agentur er war, oder suchen Sie im Jahrbuch für Autoren nach Verlagen.

Noch ein letztes Geheimnis – der größte Unterschied zwischen den Menschen, die davon träumen, einen Roman zu schreiben, und denjenigen, die veröffentlich werden, besteht nicht allein im Talent. Vieles liegt an Disziplin und Entschlossenheit. Sie haben keine Zeit zu schreiben? Denken Sie noch einmal nach – stehen Sie eine Stunde früher auf, bevor Sie zur Arbeit gehen, oder schreiben Sie, wenn Ihre Kinder Mittagsschlaf machen (ich habe beides gemacht, es funktioniert). Die Vorstellung, einen ganzen Roman zu schreiben, ist eine Herausforderung, aber wenn Sie jeden Tag nur ein bisschen schreiben, summiert es sich. Wenn Sie wirklich ein Buch schreiben wollen, dann schaffen Sie das auch.

 

DIE FÜNF BESTEN SCHREIBTIPPS

 

  • Schreiben Sie jeden Tag. Tragen Sie immer ein Notizbuch bei sich, um Ideen festzuhalten, bevor sie sich verflüchtigen.
  • Lesen Sie jeden Tag – Bücher, die Sie inspirieren, Gattungen, die Sie mögen. Lernen Sie, was funktioniert.
  • Schließen Sie sich einer Schreibgruppe an – zu Hause oder im Internet.
  • Machen Sie sich eine Playlist für Ihre Geschichte – Musik befördert Ideen und Gefühle.
  • Schreiben Sie aus dem Herzen heraus – und nicht, was der Markt Ihrer Meinung nach verlangt.

 

DREI DER BESTEN BÜCHER ÜBER DAS SCHREIBEN

 

  • „Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King
  • „Bird by Bird – Wort für Wort. Anleitungen zum Schreiben und Leben als Schriftsteller“ von Anne Lamott
  • „Schreiben in Cafés“ von Natalie Goldberg

 

Na, wie haben euch die Tipps gefallen? War etwas für euch dabei? Habt ihr jetzt wieder Lust bekommen, es (weiter) zu versuchen? Mit geht es zumindest so!

Welche Erfahrungen habt ihr schon beim Schreiben gesammelt? Habt ihr vielleicht auch noch mehr Tipps, die ihr weitergeben könnt? Dann immer her damit … !