„Und du sitzt den ganzen Tag im Verlag und liest?“

Wenn ich Leuten von meinem Beruf erzähle, gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was Lektorinnen und Lektoren eigentlich so machen. Viele glauben tatsächlich, ich säße den ganzen Tag mit meinen Manuskripten und einem Latte Macchiato im Lesesessel. Andere denken auch, dass ich meine Zeit mit Korrektur lesen und Tippfehler ausmerzen verbringe. In  Wirklichkeit umfasst mein Aufgabenbereich aber viel mehr!

Was ich da eigentlich mache

Projekte prüfen und entscheiden, was wir in unser Programm aufnehmen

Ein wichtiger Teil der Arbeit als Lektorin ist das Prüfen von Manuskripten. Einige werden direkt von Autorinnen und Autoren per E-Mail oder per Post an den Verlag geschickt, andere erreichen uns über sogenannte Literaturagenturen.

Ob wir ein Projekt in unser Programm aufnehmen, hängt von verschiedenen Kriterien ab und es gibt kein ‚Geheimrezept‘, sondern es ist immer eine Mischung vieler Faktoren. Einige Dinge, die mir wichtig sind:

  • Ist es gut geschrieben? Das heißt, gefällt mir der Stil und die Sprache? Hier geht es besonders bei Krimis natürlich viel um Spannung. Im Bereich Liebesroman und Frauenunterhaltung kann aber auch bedeuten, dass mir die Figuren direkt sympathisch sind und ich ihre Handlungen, Sorgen, Ängste und Wünsche gut nachvollziehen kann und mich mit ihnen identifiziere.
  • Ist das Thema gut gewählt? Nicht nur im Bereich Sachbuch, sondern auch in der Belletristik ist die Themenwahl wichtig. Ich überlege bei der Auswahl, ob das Thema unsere Leserinnen und Leser anspricht, ob es im Moment eine gesellschaftliche Relevanz hat, ob ein bestimmter Trend im Roman beschrieben wird, der vielleicht für ein großes Publikum interessant sein könnte. Wir sind immer auf der Suche nach Themen, die zwar dem Zeitgeist entsprechen, aber gleichzeitig auch etwas Neues, Eigenes bieten.

Wenn ein Projekt gemocht wird, wird es als Nächstes mit meinen Kolleginnen und Kollegen, auch aus den anderen Abteilungen im Verlag, besprochen. Sind alle einverstanden, machen wir mit dem Autor oder der Autorin einen Verlagsvertrag und los geht’s:

Lektoratsarbeit am Text

Bevor das Buch erscheint arbeite ich mit den Autoren noch einmal intensiv am Text, das heißt wir besprechen die Geschichte, die Figuren und einzelne Szenen, und nehmen gegebenenfalls  gemeinsam Änderungen vor. Nach diesem ‚strukturellen Lektorat‘ folgt dann das ‚sprachliche  Lektorat‘, hierbei geht es stilistische Fragen.

Vorschau- und Klappentexte schreiben

Das Buch wird für einen bestimmten Programmplatz (entweder im Print-Format  für unser Taschenbuch- oder Hardcoverprogramm oder im E-Book-Format für unsere Digitalverlage FOREVER oder MIDNIGHT) mit einem bestimmten Erscheinungstermin eingeplant. Ich schreibe dann Klappentexte für das Buch (Infos zum Inhalt, zur Vita des Autors etc.) und Vorschautexte für Vorankündigungen im Netz beziehungsweise der gedruckten Verlagsvorschau.

Titel finden und Coverbriefing erstellen

Die Manuskripte werden meist mit einem Arbeitstitel bei uns eingereicht. Die endgültige Titelfindung erfolgt in gemeinsamer Absprache mit der Autorin oder dem Autor einerseits und mit unseren Abteilungen Vertrieb und Marketing andererseits. Ist ein Titel gefunden, erstelle ich ein Coverbriefing, in dem ich die Vorstellung davon, wie das ideale Cover zum Buch aussehen soll, skizziere. Das Briefing schicke ich an Grafiker, mit denen wir zusammenarbeiten und diese erstellen Covervorschläge.

Koordination des Produktionsprozesses

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Herstellungsabteilung stimme ich mich über die genaue Gestaltung der Buchseiten ab.

Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen

Schon im Vorfeld des Erscheinungstermins planen die anderen Abteilungen im Verlag, so wie Marketing und Presse, was sie für das Buch tun wollen. Auch hier koordiniere ich mich mit den Kolleginnen und Kollegen, beim Marketing für FOREVER und MIDNIGHT handelt es sich bei den Maßnahmen natürlich um Online-Kampagnen.

 

Aylin Salzmann, 17.06.2015