Young Adult ist ein Begriff, der sicher auch dir in den letzten Jahren immer wieder über den Weg gelaufen ist. Aber was genau bedeutet Young Adult eigentlich und was macht Young Adult aus?

Ganz simpel kann man Young Adult auch mit „Jugendbuch“ übersetzen. Wichtig bei Young Adult ist aber, dass die Protagonisten im Teenageralter sind. Daher werden oft die Themen aufgegriffen, die Jugendliche in ihrem Alltag beschäftigen. Ob Schule, Eltern, Freunde, erste Liebe oder das Erwachsenwerden – die Bandbreite ist groß! Besonders an Young Adult ist auch, dass unter diesem Begriff mehrere Genres zusammengefasst werden, so zum Beispiel Fantasy, Contemporary oder Thriller. Eins der bekanntesten Young Adult Beispiele ist die Biss-Reihe, die dieses Jahr in Deutschland ihren zehnten Geburtstag feiert.

In Abgrenzung zu Young Adult hat sich nun auch der Begriff New Adult entwickelt: Hier sind die Protagonisten etwa 18 bis 26 Jahre alt und beschäftigen sich daher mit etwas anderen Themen. Viele sagen, dass man nur gucken muss, wie freizügig die Charaktere sind und wie viel Erotik enthalten ist, um Young und New Adult zu unterscheiden – aber oft gibt es auch Grenzfälle, die gar nicht so leicht einzuordnen sind.

Unsere Herzenstageautorinnen Tanja Voosen und Veronika Mauel kennen sich da besonders gut aus, schließlich schreiben sie in dem Genre. Im Interview lernst du nicht nur sie und ihre Bücher kennen, sondern erfährst auch ganz genau, was an Young Adult so besonders ist.

TanjaVeronika

Was macht Young Adult für dich so besonders?

emily_lives_loudlyTanja: Young Adult ist für mich besonders, weil die Figuren sich in dem Alter befinden, in dem sich Vieles entscheidet. Meistens ist man noch in der Schule, weiß gar nicht genau wie die Zukunft aussieht und wohnt auch noch zu Hause. Es ist so, als würde die weite Welt nur darauf warten, erobert zu werden. In dem Alter weiß man noch gar nicht, wie gut man es später einmal hat. *lach* 😀 Aus der Sicht von Protagonisten zu schreiben, die selber noch nicht wissen, was sie eigentlich wollen – oder auch fühlen, ist einfach super spannend. Es werden die typischen „Teenie-Fehler“ gemacht und der Humor ist auch viel ausgeprägter als bei Erwachsenen – da darf es gerne auch mal richtig verrückt werden. So habe ich bei „Emily lives loudly“ eine ganze Menge sarkastischer Dialoge ohne Filter, was bei einem Buch mit älteren Figuren wahrscheinlich gar nicht geklappt hätte. Jugendliche müssen sich eben (noch) nicht so viele Gedanken um Verantwortung machen, wie das als Erwachsener der Fall ist. Dadurch kann man auch in einem ganz anderen Rahmen schreiben, wenn Hauptthemen Schule, erste Liebe und beste Freundinnen sind.

Veronika: Young Adult Romane sind fast immer sehr gefühlsintensiv. Sie sind realistisch und beleuchten Themen, mit denen sich Jugendliche auch im wahren Leben auseinandersetzen müssen. Demzufolge sind sie oft auch unterschwellige Ratgeber oder Wegweiser oder die Leser erfahren einfach, dass sich auch andere in ihrem Alter mit den gleichen Problemen, Sorgen, Freuden, Gefühlen herumschlagen wie sie selbst. Auch bei Kai und Annabell werden Hintergründe beleuchtet und gezeigt, dass von niemandem das Leben perfekt ist, auch wenn es nach außen hin so scheint. Jeder muss sich mit etwas herumschlagen, egal wie „cool“ er sich anderen gegenüber gibt. Oftmals sind gerade Coolness und ein perfektes Äußeres, aufgebaute Fassaden, die über irgendetwas hinwegtäuschen sollen. Außerdem soll die Geschichte zeigen, dass es möglich ist, Hindernisse zu umschiffen, Probleme zu bewältigen, wenn man bereit ist, dafür zu kämpfen. Liebe kann Mauern niederreißen und Grenzen überwinden, wenn man sich auf den anderen einlässt, ihn versteht und ihn niemals aufgibt, egal wie aussichtslos oder schwierig es gerade sein mag.


 

Was macht die Liebe in Young Adult-Romanen aus?

Tanja: Young Adult ist ein Genre, das sich eher an eine jüngere Zielgruppe richtet. Meistens sind die Leser Teenager ab 13/14 und daher ist die Liebe in solchen Büchern auch etwas – nennen wir es mal „einfacher gestrickt“. 😀 Es geht viel um „Firsts“: erster Kuss, erste Liebe usw. und die Figuren sammeln gemeinsam mit dem Leser Erfahrungen, durchleben Herzschmerz oder eben besonders romantische Momente. Wie der Genre-Name ja sagt, es geht hier um „junge Erwachsene“ und da gehört dann die ganze Palette an Fehlern, Drama und (hoffentlich) Happy End dazu, die das chaotische Leben eines Jugendlichen eben so bietet.

KaiAnnabellVeronika: Die Liebe in Young Adult Romanen unterscheidet sich zu anderen, indem sie explosiv, intensiv und alles umfassend ist. In diesem Alter, in dem sich die Protagonisten befinden, gehen die Gefühle von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt und das oftmals innerhalb weniger Stunden. Niemals wieder ist Liebe so zentral, so lebenswichtig und so überwältigend wie in diesem Alter, in dem die Hormone verrückt spielen und man seinem Herzen Flügel verleiht. In dem einem der Atem stockt, wenn man nur an den anderen denkt, man Nächte durchweint, wenn die Liebe unerwidert bleibt oder auf eine harte Probe gestellt wird und das Gedankenkarussell Tag und Nacht nicht stillsteht, weil sich das ganze Sein, alles Denken nur um diese eine bestimmte Person dreht.


 

Wie bist du darauf gekommen, in diesem Genre zu schreiben?

sommerfluesternTanja: Ich habe schon immer am liebsten Young Adult selber gelesen – am meisten aber Fantasy mit jeder Menge Magie und Abenteuer. Früher mochte ich reine Liebesgeschichten gar nicht, was mir inzwischen keiner mehr abnimmt! 🙂 Es war aber tatsächlich so, dass mich eine Freundin auf den Geschmack gebracht hat, weil sie mir immer vorgeschwärmt hat, wie wundervoll romantisch eine gute Lovestory sein kann. Damals habe ich nur all die kitschigen Klischees gesehen, die es in der Liebe so gab – so entstand dann auch „Emily lives loudly„, weil ich mir dachte: wieso nicht mal alle Klischees der Liebe auf die Schippe nehmen? Beim Schreiben des Romans habe ich mich dann in das Genre verliebt und die anderen Ideen kamen wie von selbst. Es gibt eben auch ohne Magie spannende Abenteuer in unserer eigenen Welt! In „Sommerflüstern“ begeben sich die Figuren z.B. auf eine Schnitzeljagd auf der Suche nach einer vermissten Person oder in Herbstflüstern muss die Protagonistin lernen außerhalb ihrer Komfortzone zu Denken.

kai_annabell_band_2_von_dir_besessenVeronika: Normalerweise habe ich davor immer im Genre Romantasy geschrieben, was mir auch unheimlich viel Freude bereitet hat. Doch eines Nachts habe ich die Szene in „Kai & Annabell – Von dir besessen“ geträumt, in der sie zusammen von zuhause weglaufen und sich schließlich am See wiederfinden. Der Traum war so intensiv und hat mich nicht mehr losgelassen, so dass ich lange darüber nachgedacht und begonnen habe, eine Geschichte darum zu spinnen und so wurden Kai und Annabell zum Leben erweckt.


 

Kannst du uns noch weitere Young Adult-Bücher ans Herz legen?

kirschkernkuesseTanja: Wenn man gerne etwas mit einer wirklich süßen Liebesgeschichte und viel Spannung lesen möchte, dann sollte man auf jeden Fall zu „Verfluchte Wünsche“ von Carina Mueller oder „Kirschkernküsse“ von Barbara Schinko greifen. Impress hat sowieso eine Reihe richtig toller Geschichten, darunter z.B auch die „Rockstar-Reihe“ von Teresa Sporrer oder „BookElements“ von Stefanie Hasse. Mein Geheimtipp wäre auch das neue Buch von Amelie Murmann, welches im April erscheint – ganz subjektiv betrachtet, versteht sich. 😉 Sehr gerne schmökere ich auch die vielen Sommergeschichten von cbj/cbt, da ist immer etwas Tolles dabei! Zu meinen persönlichen Lieblingsautorinnen (was gute Liebesgeschichten angeht) gehören auch Sonja Kaiblinger, Robyn Schneider, Eileen Cook oder Morgan Matson.

Veronika: Natürlich die Romane von meiner lieben Kollegin Tanja Voosen, mit denen Fans dieses Genres sicherlich außerordentlich gut bedient sind. 🙂


 

Was rätst du anderen, die gerne Young Adult schreiben würden?

Tanja: Mir persönlich sind immer die Figuren am wichtigsten. Wie ticken sie? Was macht sie aus? Was sind ihre Stärken und Schwächen, ihre Ängste und Träume? Besonders in Geschichten, die keine fantastischen Elemente haben, auf die sie sich stützen können, müssen die Figuren umso besser ausgearbeitet sein. Deshalb wäre mein Rat, sich zuerst Gedanken um die Protagonisten zu machen, ehe man wild drauflos schreibt. Außerdem bin ich ein riesen Fan von originellen Ideen und stark dafür, dass man Storys, die viel mit alltäglichem Geschehen zu tun haben, durch etwas Witziges oder Außergewöhnliches aufpeppt. 🙂 Ansonsten ist das wohl wie bei jedem anderen Genre auch: Schreibt, was ihr selber gerne lesen würdet!

Veronika: Fühlt euch ein. Überlegt, wie ihr in bestimmten Situationen handeln würdet. Versucht die Protagonisten authentisch rüberkommen zu lassen und verfallt nicht in eine kitschige Schreibweise. Versucht auch im Jargon eines Jugendlichen zu schreiben und nicht in Erwachsenensprache. Umso echter, umso intensiver wird die Geschichte und umso besser kann man sich in die Geschichte fallen lassen. Erinnert euch an die Zeit zurück, in der ihr selbst im Alter der Protagonisten ward. Lest viel in diesem Bereich, holt euch Anregungen und macht daraus eure eigene Geschichte.