Nach einigen Jahren in den USA und Italien wohnt Susanne Rößner nun wieder in ihrer Heimatstadt München. Gerne hat sie sich von uns ein paar Fragen stellen lassen.

  1. Sie sind ein berufliches Multitalent. Sie haben als Werbekauffrau, Assistentin eines Magiers, Geschäftsleitungsassistentin, Key Account Managerin und Tauchlehrerin gearbeitet. Wie sind Sie schließlich Buchautorin geworden?

Ich hatte schon als Kind eine blühende Fantasie und bin in Gedanken in fremde Galaxien gereist, durch sämtliche Weltmeere getaucht, habe aufregende Abenteuer bestanden (typisch Sternzeichen Fisch eben), ständig irgendwelche Luftschlösser gebaut und mich meinen kreativen Träumen hingegeben. Dazu habe ich wahnsinnig gern gelesen, was mein Vorstellungsvermögen noch zusätzlich angeregt hat. Als ich dann erwachsen wurde, habe ich eine gewisse Gabe zum Formulieren entdeckt und festgestellt, dass ein Text einen bestimmten »Rhythmus« braucht, um sich flüssig lesen zu lassen. Es hat mir dann viele Jahre lang ungeheuren Spaß gemacht, Reiseberichte und Briefe an Freunde zu schicken und deren überwältigende Resonanz erleben zu dürfen. »Du beschreibst das alles so plastisch, dass ich das Gefühl habe, mittendrin zu sein«, »Jedes Mal, wenn von Dir eine Mail kommt, unterbreche ich meine Arbeit und nehme mir Zeit, sie zu lesen. Das ist immer wie ein kleiner Urlaub«, waren nur ein paar der Reaktionen. Und dann kamen immer mehr Stimmen: »Schreib doch mal mehr als nur Mails. Schreib ein Buch!«

Dieser Gedanke schlummerte damals tatsächlich schon eine Zeit lang in meinem Kopf.  Erst mal musste es allerdings ein Krimi sein, weil ich die selbst so gerne lese. In Namibia hatte ich plötzlich eine Idee, wie man einen Menschen auf eine außergewöhnliche Art und Weise »um die Ecke bringen kann«… Anfangs hatte ich nur diese eine Vorstellung im Kopf, doch dann habe ich begonnen zu schreiben und war selbst überrascht, was dabei herauskam: mein erster Oberbayernkrimi Fangermandl.

Der Vorschlag, über die Krimis hinaus ein Buch im Genre »Love & Landscape« zu schreiben, kam dann von meiner Agentin Lianne Kolf, als wir einmal bei einer Tasse Kaffee zusammen saßen. Und da ich nicht nur gerne mit Gänsehaut auf dem Sofa sitze, wenn ich selbst ein Buch lese, sondern es genauso mag, wenn dabei eine Packung Taschentücher draufgeht, war mir sofort klar, dass ich das unbedingt machen wollte. Als ich dann bereits beim Skizzieren der Idee zu Nur einen Sommer lang und kurz darauf auch beim Schreiben schon jede Menge Tempos verbraucht habe, wusste ich: Ja, das funktioniert.

  1. Woher kommen die Ideen für Ihre Bücher? Entstehen sie zu Hause am Schreibtisch oder wenn Sie unterwegs sind?

Die Ideen entstehen oft aus Unterhaltungen oder Situationen, die rein gar nichts mit Büchern zu tun haben. Das kann ein Gesprächsfetzen sein, den ich irgendwo aufschnappe, ein Bild, das in einer U-Bahn-Station hängt, oder eine Szene, die ich beobachte. Manchmal habe ich nach einer halben Stunde den gesamten Plot im Kopf. Meistens ist es aber nur eine einzelne Szene, aus der immer mehr Handlung erwächst. So, wie es im »richtigen Leben« halt auch ist: Man geht abends aus, lernt jemanden kennen, weiß aber nicht, wie es danach weiter geht. Dabei entwickelt sich ja auch alles Schritt für Schritt.

Und genauso geht es mir ganz oft mit meinen Texten. Wenn ich eine Szene geschrieben habe, dann ist es einfach ein Gefühl, wie es jetzt weitergehen muss. Überhaupt ist das mit dem »Gefühl« so eine Sache. Ich spüre mich in meine Figuren hinein, stelle durchaus auch mal in Frage, ob und wie die Person auf eine bestimmte Situation reagiert, und durchlebe förmlich die Szene, an der ich gerade feile. Ich sitze dann an meinem Rechner, habe eine Mordswut im Bauch, fühle Trauer, Freude oder Spaß – eigentlich das gesamte Repertoire an Emotionen. Und so werden meine Protagonisten lebendig und vielschichtig. Es ist auch eine wahnsinnig spannende Erfahrung, diese fiktiven Gestalten kennenzulernen, die sich zu der Geschichte passend entwickeln dürfen.

  1. Laura, die Hauptfigur Ihres Romans »Nur einen Sommer lang«, zieht von Berlin nach Bayern und muss sich dort erstmal an dieses ganz andere Leben gewöhnen. Was ist Ihr Geheimtipp, um sich mit neuen Nachbarn anzufreunden?

Ich finde es eine nette Geste, den »Alteingesessenen« wie auch den »Neulingen« zu kommunizieren, wer denn da bereits wohnt, beziehungsweise neu hinzukommt. Also schreibe ich ein paar persönliche Worte auf eine hübsche Karte, stelle ich mich kurz vor (»Ich bin die von oben, unten, rechts, links, geradeaus…«), heiße die Frischlinge willkommen oder gebe Bescheid, wann mein Einzug stattfindet. Ich bitte um Verständnis, dass es laut werden könnte und signalisiere, dass ich mich freue, die Hausgemeinschaft bald kennenzulernen.

Wichtig finde ich aber auch, nicht davon auszugehen, dass andere Menschen genauso ticken wie man selbst. Jeder Mensch hat ja so seine Talente – genauso wie seine Eigenheiten. Ich schreibe gerne hübsche Karten, dabei kann das einem anderen völlig zuwider sein. Deswegen finde ich es ganz unerlässlich, entspannt zu bleiben, und alle Fünfe auch mal gerade sein lassen. Leben und leben lassen, Respekt und Wertschätzung zeigen – dann geht es allen miteinander gut. Und das natürlich nicht nur bei neuen Nachbarn, sondern bei allen Menschen, mit denen man zu tun hat.

  1. Ist das Buch in gewisser Weise auch eine Liebeserklärung an das Bayern, in dem Sie ja selbst leben?

Absolut! Ich liebe meine Heimat und bin auch nach so langer Zeit noch immer dankbar, in einer so wunderschönen Gegend leben zu dürfen. Zum einen finde ich, dass München eine tolle Stadt ist, die sich trotz allem, was sie an Großstadt zu bieten hat, an vielen Ecken noch immer einen dörflichen Charakter bewahrt hat; zum anderen hat das Voralpenland einen ganz besonderen Reiz für mich. Wenn das Wetter passt, hält es mich auch kaum in meinen vier Wänden. Dann packe ich ganz fix meine Siebensachen, suche mir einen Berg aus – und los geht’s! Ob zu Fuß, mit dem Bike, oder im Winter mit dem Lift, um anschließend auf Skiern tief verschneite Hänge herunterzuwedeln. Wenn ganz oben auf dem Gipfel die Brotzeit besonders gut schmeckt und unter mir die Seen im Sonnenlicht glitzern, dann bin ich der zufriedenste und glücklichste Mensch der Welt.

Und überhaupt – Oberbayern! Das ist für mich viel mehr als nur die Gegend, in der ich lebe. Ich habe schon viel von der ganzen Welt gesehen, aber hier sind meine Wurzeln, hier gehöre ich hin, hier bin ich ganz einfach »dahoam«.

  1. Laura und der gut aussehende Tierarzt Anton können sich zuerst überhaupt nicht leiden. Trotzdem funkt es später zwischen den beiden heftig und sie verlieben sich. Verraten Sie uns, wie sich die Protagonisten Ihres neuen Buchs »Für jetzt und immer« begegnen?

Die Erzieherin Lena hat gerade, bedingt durch ein Missverständnis, ihren Job verloren, und dann gerät sie beim Einkaufen auch noch mit einem unverschämten Fremden aneinander: In einer für Lena unglaublichen Rücksichtslosigkeit parkt der Unbekannte sein teures Auto quer über zwei Behindertenparkplätze, obwohl er ganz offensichtlich topfit ist. Prompt geht Lenas Gerechtigkeitssinn mit ihr durch und sie verpasst dem vermeintlichen Schnösel, den sie eigentlich sogar ziemlich attraktiv findet, einen Denkzettel, den er so schnell nicht wieder vergessen wird…

»Nur einen Sommer lang« erschien im Mai beim Piper Verlag. Und darum geht es:

nur-einen-sommer-langGerade als Laura ihre Freunde zu einem gemeinsamen Abendessen in ihrer Berliner Wohnung erwartet, flattert ihr der Brief eines Anwalts auf den Küchentisch: Völlig überraschend soll sie eine Alm in der oberbayerischen Gemeinde Schliersee erben – vorausgesetzt, sie lebt dort mindestens ein halbes Jahr. Noch sieht sie sich allerdings nicht jodelnd und im Dirndl über die Kuhweiden laufen. Doch als ihre Freunde sie überreden, das Abenteuer zu wagen, lernt sie nicht nur die Eigenheiten des malerischen Voralpenortes kennen, sondern auch das Geheimnis des abweisenden, aber äußerst gut aussehenden Tierarztes Anton …

Susanne Rößners nächstes Buch um Lena und den unverschämten Fremden wird unter dem Titel »Für jetzt und immer« nächstes Jahr im Juni erscheinen.

fuer-jetzt-und-immerAm Tegernsee kündigt sich ein traumhafter Sommer an, doch die hübsche Kindergärtnerin Lena hat nichts als Sorgen: Wegen eines Missverständnisses hat sie ihren Job verloren. Zu allem Überdruss gerät sie beim Einkaufen auch noch mit einem attraktiven, aber unausstehlichen Fremden aneinander. Kurz darauf lernt sie die neunjährige Ela kennen, die ihr schnell ans Herz wächst. Als sie das Angebot erhält, Elas Kindermädchen zu werden, nimmt sie erfreut an. Eine Entscheidung, die ihr Leben vollkommen auf den Kopf stellen wird – nicht zuletzt, weil sie dadurch dem ungehobelten Unbekannten wiederbegegnet …