Zu den letzten Herzenstagen haben wir die beliebte Autorin Chris P. Rolls zu ihren Büchern und dem in Deutschland noch vergleichsweise jungen Genre Gay Romance interviewt (hier geht’s zum Interview). Heute sprechen wir mit Caroline Funke, ihrer Lektorin bei Forever by Ullstein, und wollen das Genre aus Verlagssicht betrachten.

foto_funke_carolineCaroline Funke ist seit 2015 Lektorin bei den Ullstein Buchverlagen und arbeitet für die digitalen Imprints Midnight und Forever. Vorher war sie in den Bereichen Lektorat, Online-Redaktion und Online-Marketing unter anderem für den Egmont Ehapa Verlag, den Der Audio Verlag (DAV) und die Eulenspiegel Verlagsgruppe tätig.

Wie bist du zum ersten Mal mit Gay Romance in Berührung gekommen?

Als ich angefangen habe, bei Ullstein zu arbeiten, habe ich mich zunächst mit den Programmen von Midnight und Forever vertraut gemacht. Ich habe viel gelesen, unter anderem den damals gerade erschienenen Roman „Böse Jungs“ von Susan Julieva. Dabei habe ich festgestellt, dass Gay Romance sich gar nicht so sehr von den klassischen Liebesromanen unterscheidet. Abgesehen natürlich davon, dass sich in Büchern dieses Genres zwei Männer ineinander verlieben. Aber die Geschichten sind genauso romantisch, sexy und liebevoll geschrieben, wie die Liebesgeschichten über Hetero-Paare. Leider sind sie auf dem deutschen Buchmarkt, im Gegensatz zu Ländern wie zum Beispiel den USA, noch in der Minderheit. Was ich persönlich schade finde, denn ich kenne inzwischen viele begabte Gay-Romance-Autorinnen, die wunderbare Geschichten schreiben. Und ich sehe auch eine wachsende Leserschaft für das Genre.

Du bist also der Meinung, dass auch in Deutschland die Nachfrage nach Gay Romance steigt?

Ja, davon bin ich überzeugt. Ich war zum Beispiel dieses Jahr auf der LoveLetter Convention in Berlin und habe an einer Gesprächsrunde zum Thema „Wenn Männer Männer lieben“ teilgenommen. Der Saal war voll besetzt und das überwiegend weibliche Publikum ganz begeistert. Es wurde von den Zuschauern explizit nach mehr Gay-Romance-Übersetzungen und auch Gay-Fantasy-Romanen gefragt. Bei dieser Gelegenheit habe ich unsere Autorin Xenia Melzer kennengelernt, die über Ihre „Gods of War“-Serie berichtet hat. In ihrer Fantasy-Welt, die ein wenig an die Antike erinnert, verlieben sich ein Halbgott und dessen Gefangener ineinander. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind in ihrer Buchreihe genauso normal wie zwischen Männern und Frauen. Das hat mich sofort angesprochen.

Das klingt ja interessant. Welche neuen Entwicklungen siehst du noch im Genre?

Die Nachfrage nach Gay-Romance-Titeln steigt, vor allem im E-Book Bereich sehe ich da viel Potenzial. Auch viele Selfpublisher wagen sich an das Genre und haben damit Erfolg. Einige kleinere Verlage haben sich Gay Romance sogar auf die Fahnen geschrieben. Die ersten gedruckten Bücher erscheinen und ich bin gespannt, wie sie vom Handel und von den Lesern angenommen werden. Bei Forever beobachten wir die Entwicklungen interessiert. Die Leserschaften von E-Books und Printbüchern sind nicht immer kongruent, deshalb bin ich sehr gespannt.

Was ist zum Thema bei Forever by Ullstein geplant?

Wir wollen unser Programm weiter ausbauen, begonnene Serien wie „Gods of War“ natürlich weiterführen. Wir arbeiten überwiegend mit deutschen Autorinnen und Autoren, sowohl mit bereits bekannten als auch mit Neulingen, zusammen. Außerdem haben wir erste Übersetzungen im Programm. Neben klassischen Gay-Romance-Titeln ist  Gay Fantasy sehr spannend für uns. Auch wollen wir weiterhin verstärkt an Veranstaltungen teilnehmen und unsere Autorinnen und Autoren so unterstützen. Zum Beispiel werden wir im November bei der Queer Convention in Berlin vertreten sein. Unsere Autorinnen werden dort aus ihren Büchern lesen und an Gesprächsrunden teilnehmen. Ich selber bin auch vor Ort und beantworte alle Fragen zur Veröffentlichung und gebe gerne inhaltliche Tipps.

Du sagst selbst, dass Gay Romance im Buchhandel bisher noch recht wenig vertreten ist. Was kannst du den Fans, die sich mehr Bücher wünschen, mit auf den Weg geben?

Da kann ich nur sagen, der Buchhandel ist kein Zauberwerk. Auch hier bestimmt die Nachfrage das Angebot. Mein Rat: Kauft und lest mehr Bücher aus eurem Lieblingsgenre, dann wird es auch weiterhin neue Bücher geben.

Leseempfehlungen von Caroline Funke:

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