Nach langer Zeit sieht Callie zum ersten Mal ihren Stiefbruder Keith wieder. Schon wie damals, lodern auch jetzt wieder gefährliche Gefühle in ihr auf, sobald sie ihm gegenübersteht.  Dabei war er schuld an dem tödlichen Unfall ihres Vaters. Nun sind die beiden auch noch gezwungen wieder unter einem Dach zu wohnen und Callie kämpft mit ihren zwiespältigen Gefühlen für Keith.

Denn seinen Stiefbruder darf man nicht lieben, oder?

iosivoni-02Wenn ihr noch mehr über die spannende Geschichte von Callie und Keith wissen möchtet, lest hier eine exklusive Bonusszene der Autorin und erfahrt noch mehr Details über Callies verwirrende, aber aufregende Gefühle für ihren Stiefbruder:

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Es gibt Dinge im Leben, die man nicht ungesehen machen kann. Ich wünschte, ich könnte es. Ganz ehrlich. Meinen Stiefbruder nackt in der Dusche zu sehen gehört nicht gerade zu den Dingen, die ich unbedingt mal erleben wollte.
Okay, das ist gelogen. Ich …

Ein Piepen unterbrach mich mitten im Schreibfluss. Mein Handy lag neben mir auf dem Bett und blinkte mit einer neuen Nachricht. Ich würde nicht hinsehen, denn ich ahnte bereits, wer mir da schrieb. Und warum.
Seit ich ins Badezimmer geplatzt war, als Keith gerade aus der Dusche kam, zog er mich ständig damit auf. Nicht mit Worten. Seine Blicke allein genügten, genauso wie dieses wissende Lächeln, das er immer dann zur Schau trug, wenn wir in Gesellschaft waren. Wie gestern beim Abendessen zum Beispiel. Umringt von seiner Mutter und meiner Schwester musterte er ich auf eine Weise, als wüsste er genau, was in meinem Kopf vor sich ging. Das Erschreckende daran? Ich befürchtete, dass er damit recht hatte.
Wütend auf mich selbst strich ich den letzten Satz durch und schrieb weiter.

Ich hasse diesen Kerl. Aus tiefstem Herzen. Wenn ich die Chance hätte, würde ich ihn von einer verdammten Klippe schubsen und es wie einen Unfall aussehen lassen. Ich wünschte, er wäre nie zurückgekommen. Ich wünschte, er wäre niemals Teil meines Lebens geworden. Aber am allermeisten wünsche ich mir, dass er mich nicht so ansehen würde, dass ein einziger Blick, ein einziger Kommentar von ihm mich nicht so wahnsinnig machen würde.<
Denn ich muss wahnsinnig geworden sein. Das ist die einzige Erklärung dafür, warum ich so auf ihn reagiere.

Wieder meldete sich mein Handy. Genervt ließ ich den Stift fallen und schnappte mir das Smartphone. Ich ignorierte das Herzklopfen, das sich genau dann meldete, als ich seinen Namen las: Keith.

Was willst du?

Die Antwort kam keine zehn Sekunden später: Dich wissen lassen, dass ich jetzt duschen gehe.

Hitze stieg in meine Wangen und setzte sich dort fest. Dieser verdammte … Nein, ich würde mich nicht wieder von ihm provozieren lassen. Auf keinen Fall.

Viel Spaß dabei.

Werde ich haben. Du kannst dich gerne anschließen.

Bilder formten sich in meinem Kopf. Es wäre nur halb so schlimm gewesen, wenn es nur meine Fantasie wäre, die da mit mir durchging. Aber ich hatte ihn gesehen. Nackt. Nass. In allen Details. Und dieses Bild würde ich nie mehr loswerden. Das Schlimmste daran war, dass ein Teil von mir es gar nicht wollte.
Bevor ich zurückschreiben konnte, meldete sich das Smartphone in meiner Hand mit einer weiteren Nachricht von Keith:

Oder zum Zuschauen vorbeikommen. Denn wir wissen beide, wie gern du das tun würdest.